Jährlich vergibt der AfeT den der Förderung schriftgemäßer theologischer Literatur dienenden und mit 1000 € dotierten Johann-Tobias-Beck-Preis. Namenspatron dieses zusammen mit der Theologischen Verlagsgemeinschaft (TVG) der Verlage R. Brockhaus (Wuppertal/Zürich) und Brunnen (Gießen/Basel) gestiftete Literaturpreises ist der Theologe Johann Tobias Beck, einem der wenigen Systematiker im 19. Jahrhundert, die eine biblisch-heilsgeschichtlich orientierte Theologie vertreten haben. Beck hat stark prägend auf die Pfarrerschaft gewirkt.

Im folgenden einige Eckdaten aus seinem Leben und seinem theologischen Wirken aus:

Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde
hg. v. H. Burkhardt u. U. Swarat,Bd.1. Wuppertal/Zürich: Brockhaus 1992, 193-194
(auszugsweiser Abdruck des Artikels mit freundlicher Genehmigung des Verlages)


Beck, Johann Tobias (1804 – 1878)

Helmut Burkhardt

Beck, geb. am 22.2.1804 in Balingen, gest. am 27.12.1878 in Tübingen; gilt als ein Begründer des Biblizismus in der Systematischen Theologie.

Prägenden Einfluß auf den jungen Beck hatte die im schwäbischen Pietismus verwurzelte Bibelfrömmigkeit der Mutter. Neben die Lektüre der Schrift trat die staunende Betrachtung der Natur als Schöpfung Gottes. Beides nährte früh den Wunsch, das so Empfangene auch an andere weiterzugeben und Theologie zu studieren. 1818 trat Beck ins Seminar Urach ein (enges Vertrauensverhältnis zu Prof. K.W.G. Köstlin, durch ihn angeregt Lektüre u.a. von Schriften Herders). Während des Theologiestudiums in Tübingen (1822-27) machte eine langwierige und schmerzhafte Lebererkrankung weithin den Besuch von Lehrveranstaltungen unmöglich. Notgedrungen erwarb sich Beck seine theol. Bildung zum größten Teil im Eigenstudium. Dies setzte er, neben der intensiven praktischen Gemeindearbeit, auch in den ersten Pfarrstellen fort: in der Landgemeinde Waldthann (1827-1829) und dem Städtchen Bad Mergentheim (1829-1836), dort leitete er gleichzeitig das dortige Gymnasium. Erste Veröffentlichungen in diesen Jahren erregten u.a. das zustimmende Interesse Tholucks. 1836 erfolgte die Berufung auf eine von pietistischen Kreisen initiierte Stiftungsprofessur in Basel, als Gegengewicht gegen den liberalen de Wette.

Die Basler Jahre waren die literarisch fruchtbarsten seines Lebens:

1836: Über die wissenschaftliche Behandlung der christlichen Lehre: Eine akademische Antrittsrede
1837: Einleitung in das System der christlichen Lehre
1839: Geburt des christlichen Lebens
1840: Christliche Lehrwissenschaft
1842: der 2. Bd. der Christlichen Reden
1843: Umriß der biblischen Seelenlehre

Sie wurden aber überschattet durch den Tod seiner ersten Frau (1838) und die heftigen Auseinandersetzungen mit der Basler Mission (1838 Becks öffentliche Kritik an der Vielgeschäftigkeit christl. Kreise).

1843 folgte Beck einem Ruf als o. Prof. nach Tübingen, wo er bis kurz vor seinem Tod 1878 lehrte. Johann Tobias Beck (1804-1878)Neben F-Chr. Baur wurde er bald zum Hauptanziehungspunkt der Fakultät und prägte als Lehrer und Seelsorger Generationen von Studenten, z.T. auch über die deutschen Sprachgrenzen hinaus. Die literarische Frucht der Tübinger Zeit erschien zum größten Teil erst posthum, darunter seine ethischen und dogmatischen Vorlesungen (drei bzw. zwei Bände), sowie der bedeutende Kommentar zum Römerbrief.

Mitbedingt durch seinen besonderen Studiengang war Beck theologisch niemandes Schüler. Trotzdem verweist er selbst immer wieder auf die Anregungen, die er durch die Schwabenväter empfing, allen voran Bengel, daneben vor allem M.F. Roos (dessen “Christliche Glaubenslehre” er 1844 neu herausgab) und auch F. Chr. Oetinger. Dabei hinderte ihn sein früh entwickelter Biblizismus keineswegs daran, wie oft angenommen, die geistigen Bewegungen seiner Zeit aufmerksam und ggf. kritisch-engagiert zu verfolgen.

Grundlegend für Becks Theologie ist der Offenbarungsgedanke: Gott ist nur aus und durch Gott zu erkennen. Die christl. Offenbarung bildet ihre Wahrheit schrittweise in Natur und Geschichte hinein und stellt sich so nicht als zeitloses Begriffs-, sondern als geschichtl. Lehrsystem dar. Prinzip aller theol. Erkenntnis bzw. Rezeption der christl. Wahrheit ist der Glaube, der seinerseits in der Gewissenserkenntnis verwurzelt ist. Basis aller theol. Erkenntnis ist der in geschichtl. differenzierter Theopneustie entstandene Text der Hl. Schrift, in dessen Geistwort sich die christl. Wahrheit unüberholbar vorbildlich darstellt in einem lebendigen, gottmenschlichen Organismus. Sie vermittelt ihre Wahrheit in pneumatischer Auslegung, in der der Glaube jede Schriftstelle aus dem Kontext der ganzen Schrift und damit aus dem Geist der Schrift heraus erklärt, dabei die grammatisch-hist. und psych. Auslegung integrierend.

Durch seinen Biblizismus unbelastet von konfessioneller Befangenheit strebte Beck in der Rechtfertigungslehre bewußt eine Korrektur der Reformation an (Rechtfertigung als Gerechtmachung) und stand dem Staat wie der ihm angepaßten Kirche seiner Zeit äußerst kritisch gegenüber.

Die theol. bedeutendsten unter seinen Schülern sind C.A. Auberlen, H. Cremer, M. Kähler, und A. Schlatter.