Das Wort „evangelikal“ ist als relativ junger Ausdruck mittlerweile in der Öffentlichkeit zu einem fest etablierten Begriff geworden. Das deutsche Wort „evangelisch“ wurde im 18. Jahrhundert parallel zu „pietistisch“ oder „erwecklich“ für einen ganzheitlich gelebten Glauben aus dem Evangelium gebraucht, damals im Gegenüber zum dogmatisch-kognitiv erscheinenden Glauben der Orthodoxie. Erst mit den Diskussionen um die Vereinigung von Reformierten und Lutheranern in der preußischen Union wurde „evangelisch“ im 19. Jahrhundert mehr und mehr als verbindender Ausdruck für die sich auf die Reformation gründenden Kirchen verwendet und diente zur Unterscheidung von den konfessionalistisch denkenden Reformierten und Lutheranern. Heute wird „evangelisch“ überwiegend als Gegenbegriff zu „römisch-katholisch“ gebraucht.
Das im internationalen Raum geläufige „evangelical“ und das davon abgeleitete „evangelikal“ haben die ursprüngliche Bedeutung von „evangelisch“ als „dem Evangelium gemäß“ stärker beibehalten. In den fünfziger Jahren diente das Wort in den USA auch zur Abgrenzung von der sich immer separatistischer artikulierenden fundamentalistischen Bewegung. Als „evangelical“ wurde eine Theologie bezeichnet, die sich auf die Bibel als das Wort Gottes beruft, sich aber nicht in ihren Lehrtraditionen einmauerte, sondern die bereit war, von einer in der Bibel verankerten Position aus und motiviert durch das missionarische Anliegen, das Gespräch mit anderen theologischen Positionen aufzunehmen. Sie sah sich in der Tradition der Erweckungsbewegungen und fand damals einen öffentlichen Ausdruck u. a. in der Zeitschrift „Christianity Today“, den Großevangelisationen Billy Grahams oder dem Fuller Theological Seminary in Pasadena/Kalifornien.
Der Lausanner Kongress 1974, angeregt von Billy Graham und in der theologischen Ausrichtung prägend bestimmt durch John Stott, stellte einen wesentlichen Markstein und Impuls zur inhaltlichen und organisatorischen Profilierung der weltweiten evangelikalen Bewegung nach innen und außen dar. Ein geeigneteres Wort, das gleichzeitig das Anliegen eines am Evangelium orientierten, gelebten Glaubens in der theologischen Tradition der Reformation und der Erweckung wie die weltweite Zusammengehörigkeit der Bewegung auszudrücken vermag, steht nicht zur Verfügung.