Zur Verleihung des Johann-Tobias-Beck-Preises 1999

Der Johann-Tobias-Beck-Preis 1999 wurde Herrn Dr. Roland Deines am 7. September im Rahmen der AfeT-Studienkonferenz für seine an der Universität Tübingen eingereichte Dissertation zum Thema "Die Pharisäer: ihr Verständnis im Spiegel der christlichen und jüdischen Forschung seit Wellhausen und Graetz" verliehen.

Roland Deines, Die Pharisäer: ihr Verständnis im Spiegel der christlichen und jüdischen Forschung seit Wellhausen und Graetz.Zum Inhalt: Keine Gruppe des antiken Judentums ist für das Verständnis des Neuen Testaments wichtiger als die der Pharisäer. Wer immer sich zum Neuen Testament, ob wissenschaftlich oder in Predigt und Unterricht äußert, muß auch über die Pharisäer reden. Entsprechend umfangreich ist die Literatur, die sich mit ihnen beschäftigt. Was bisher jedoch fehlte, ist eine Aufarbeitung der Forschungsgeschichte, die den Reichtum der früheren Forschung mit den gegenwärtigen Fragestellungen verbindet. Roland Deines führt diese Aufgabe für die Zeit von rund einhundert Jahren durch. Er geht von den die christliche Theologie bis heute prägenden Entwürfen von Wellhausen, Schürer und Bousset aus und stellt ihnen die zeitgleiche jüdische Forschung gegenüber. Er zeigt, wie es zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals in der Neuzeit zu einer direkten wissenschaftlichen Auseinandersetzung beider Forschungstraditionen kam, ausgelöst durch Harnacks Buch über ‚Das Wesen des Christentums". Daneben beschreibt er die in der judenmissionarischen Tätigkeit wurzelnde Erforschung des antiken Judentums, als deren Folge die christliche Rabbinistik angesehen werden kann. Ausführlich kommt die englischsprachige Forschung seit Beginn des 20. Jahrhunderts in den Blick, die zunehmend die Diskussion in Deutschland mitbestimmte. Mit Gerhard Kittel und Hugo Greßmann stellt Deines die bestimmenden Antipoden der Zwischenkriegszeit vor und zeigt die Fortsetzung der Entwicklung anhand der damals begründeten Ansätze von Joachim Jeremias und Rudolf Meyer. Die aktuelle Diskussion zu den im Verlaufe der Forschungsgeschichte behandelten Fragen ist in den Anmerkungen präsent, so daß sich das Buch nicht nur für historische Nachfragen sondern auch als Begleitkompendium zur aktuellen Diskussion eignet. Als Abschluß skizziert der Autor die Stellung der pharisäischen Bewegung innerhalb der jüdischen Gesellschaft zwischen 150 v. Chr. und 70 n. Chr. Darin werden sie, entgegen der gegenwärtigen Tendenz, als die grundlegende und prägende religiöse Strömung innerhalb des damaligen Judentums verstanden. Die pharisäische Bewegung erweist sich dabei neben der gemeinsamen ‚Heiligen Schrift' als das stärkste Band, das Christentum und Judentum miteinander verbindet.

Roland Deines, Die Pharisäer: ihr Verständnis im Spiegel der christlichen und jüdischen Forschung seit Wellhausen und Graetz. WUNT I/101. Tübingen : Mohr Siebeck, 1997.


Die Arbeit ist inzwischen mehrfach rezensiert worden;
so etwa [ http://www.mohr.de/review_t.htm#D ] in:

Außerdem wird zitiert: [ http://www.mohr.de/rezensth.htm#Deines ]

Roland Deines: Die Pharisaeer

"There are not many contexts which allow postgraduate students the luxury of time to compile a study as extensive, as detailed, and as masterful as that written by Deines. It is hoped that Deines will publish the promised second volume ..."

Eckhard J. Schnabel in Trinity Journal (1999), Nr. 1, S. 88-90


14.05.2003