Laudatio zur Verleihung des Johann-Tobias-Beck-Preises 1998

Die Verleihung des Johann-Tobias-Beck-Preises 1998 fand am Freitag, dem 11. Dezember 1998 um 19.00 Uhr in der Aula der Freien Theologischen Akademie in Giessen statt. Im Bild: Der Vorsitzende des AfeT, Rektor Dr. Rolf Hille, anläßlich der Preisverleihung zusammen mit den beiden Preisträgern, Dr. Wilfrid Haubeck und Dr. Heinrich von Siebenthal. In seiner anläßlich der Verleihung gehaltenen Laudatio würdigt der Rektor der Akademie, Dr. Helge Stadelmann, die Arbeit der Preisträger:

Die Jury des Arbeitskreises für evangelikale Theologie hat entschieden, den Johann-Tobias-Beck-Preis 1998 Dr. Wilfrid Haubeck und Dr. Heinrich von Siebenthal für ihr gemeinsames Werk "Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament" (Band 1, 1994 / Band 2, 1997) zu verleihen. Dr. Haubeck, Rektor des Theologischen Seminars des Bundes Freier Evangelischer Gemeinden in Ewersbach, ist Theologe; Dr. von Siebenthal, Dozent für Bibelsprachen und Neutestamentliche Exegese, ist von Hause aus Altphilologe. Sie beide haben mehr als zehn Jahre zusammen an diesem Gemeinschaftsprojekt gearbeitet, das in eminenter Weise dem Verständnis des gesamten Neuen Testaments dienen kann.

Für evangelische Christen, denen die Bibel wichtig ist, muss auch der Wortlaut und die Bedeutung des Bibelwortes wichtig sein. Nicht umsonst spielte in der Reformation die verlässliche Übersetzung der Bibel ins Deutsche eine wesentliche Rolle. Martin Luther hat für für Übersetzer und Übersetzung hohe Maßstäbe gesetzt. Am 8. September 1530 schrieb er in seinem "Sendbrief vom Dolmetschen": "Es ist Dolmetschen ja nicht eines jeglichen Kunst...; es gehört dazu ein recht fromm, treu, fleißig, furchtsam, christlich, gelehrt, erfahren, geübt Herz". Und weiter schreibt er: "Ich hab mich des geflissen im Dolmetschen, dass ich rein und klar Deutsch geben möchte. Und ist uns wohl oft begegnet, dass wir vierzehn Tage, drei, vier Wochen haben ein einziges Wort gesucht und gefragt, haben's dennoch zuweilen nicht gefunden." Wer die beiden umfangreichen Bände des Neuen Sprachlichen Schlüssels zum Verständnis des Griechischen Neuen Testaments heranzieht, wird den Eindruck bekommen, dass hier ebenso gründlich gearbeitet wurde.

Träger des Johann-Tobias-Beck-Preises 1998:
Wilfrid Haubeck u. Heinrich v. Siebenthal:
Neuer Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament

Von der Konzeption her ist das Werk so angelegt, dass es nur Grundkenntnisse im Griechischen voraussetzt und alle Hilfen bietet, die man zum Verstehen des Neuen Testaments braucht. Eine besondere Betonung liegt auf der Syntax, speziell der Partizipien- und Aspektenlehre. Dahinter steckt die Überzeugung, dass Wortbedeutungen allein noch nicht zum Verstehen und Übersetzen helfen, sondern dass die Einzelaussage im gesamten Satzzusammenhang verstanden werden muss. Immer wieder wird die Brücke zur Exegese hin gebaut und zu exegetischen Alternativen sprachliche Entscheidungshilfen geliefert. Die Konzeption berücksichtigt also, dass Sprache und Sachinhalt nicht zu trennen sind. Besonders zu schwierigen Problemen (bei Zitaten des Alten Testaments im Neuen Testament oder bei scheinbaren Widersprüchen) bietet das Werk Lösungsangebote, die das Vertrauen in die Heilige Schrift stärken können.

Dass ein Nachschlagewerk mit dem Johann-Tobias-Beck-Preis ausgezeichnet wird, mag den einen oder anderen zunächst verwundern. Entsprechend dem Ziel des Arbeitskreises für Evangelikale Theologie, zu einer biblischen Erneuerung der Theologie beizutragen, ehrt der Johann-Tobias-Beck-Preis jeweils das Buch des vorangehenden Jahres, das in den Augen der Jury am meisten zur Förderung einer biblischen Erneuerung der Theologie beiträgt.

Der zweibändige Neue Sprachliche Schlüssel zum Neuen Testament
- erschließt dem Leser die Textbedeutung des gesamten Neuen Testament,
- ist dazu auf dem neuesten Stand der Symantik und Linguistik,
- setzt die Exegese auf ein verlässliches sprachliches Fundament,
- und fördert nicht nur das Verständnis der Bedeutung der Aussagen neutestamentlicher Texte, sondern festigt darüber hinaus das Vertrauen in die Verlässlichkeit des Neuen Testaments.

Dieses Buch ist nicht nur zur einmaligen Lektüre da, sondern es dient seinem Leser über Jahre hin als Helfer zum Bibelverständnis. Vielleicht dient es dazu, dass so manche Prediger sich wieder wagen, für die Predigtvorbereitung den Grundtext des Neuen Testaments hervorzuholen. Die Gemeinde, die vom ausgelegten Wort lebt, kann davon nur profitieren. Und auch die Theologie kann nur gesunde Theologie sein und bleiben, wenn sie im Wortlaut des biblischen Textes gründet. Theologische Theorien und Hypothesen, die der Textbedeutung des biblischen Wortes nicht gerecht werden, können nämlich keine gesunde Theologie sein.

Von daher fördert dieser Neue Sprachliche Schlüssel zum Neuen Testament in vielfacher Hinsicht das Anliegen einer biblischen Erneuerung der Theologie. Die Jury gratuliert Dr. Wilfrid Haubeck und Dr. Heinrich von Siebenthal zu ihrem gelungenen Gemeinschaftswerk. Sie ist der Meinung, die zehn Jahre intensiver Arbeit, die sie in dieses Doppelwerk investiert haben, sind im Interesse von Gemeinde und Theologie gut eingesetzt worden. Mit dem Johann-Tobias-Beck- Preis 1998 will der AfeT diesen Einsatz zeichenhaft ehren.


14.05.2003