Vom urchristlichen Gemeindegebet und der dogmatischen Theologie Peter Brunners

das AfeT-Doktorandentreffen

Klaus Bensel

Unter der Leitung von Prof. Dr. Rainer Riesner fand am 1. und 2. Oktober 1999 im Tübinger Albrecht-Bengel-Haus das AfeT-Doktorandentreffen statt, an dem sieben Doktoranden bzw. Doktoren teilnahmen.

Im ersten Referat sprach Sigurd Kaiser aus Tübingen zum Thema der Modalität des Gebets in Jakobus 5,13–18. Das Vorgetragene bildet dabei einen Teil seiner Arbeit an einer neutestamentlichen Dissertation zum Thema der Krankenheilung innerhalb der Gemeinde mit besonderer Berücksichtigung von Jak 5,13–18.

Nach einer Vorstellung des Dissertationsprojekts und einer Einführung in die theologische und exegetische Fragestellung bezüglich der Praxis der Krankenheilung in Jak 5,13–18 hörten wir zuerst über die biblische Tradition von Gebet und Zuspruch der Heilung im Krankheitsfall. Hierbei handelt es sich um einen Themenkomplex, der bislang wissenschaftlich kaum bearbeitet wurde. Als Ergebnis stellte Sigurd Kaiser heraus, „dass jene Modalitäten in den synoptischen Heilungsberichten und im Corpus Paulinum, aber auch im Alten Testament – und hier insbesondere in den Klagepsalmen – einen breiten Raum einnehmen, wobei die Sprache jener Psalmen der des besprochenen Jakobustextes auffällig ähnlich ist. In Jak 5,16f bringt dann eine semantisch-syntaktische Untersuchung der verwendeten Terminologie bei der Beschreibung des ‚Gebets des Gerechten‘ ... eine enge Verbindung zur alttestamentlich-jüdischen Gebetspraxis und den damit verbundenen Modalitäten zum Vorschein, so dass anzunehmen ist, dass Jakobus ebenfalls von einer bestimmten ‚Qualität‘ der Bitte ausgeht.“

Im zweiten Referat berichtete Tobias Eißler, Pfarrer in Mundelsheim, über seine kürzlich fertig gestellte und in Erlangen eingereichte Dissertation „Pro Ecclesia. Die dogmatische Theologie Peter Brunners“. Nach einer Darstellung von Lebensweg (1900–1981) und Lebenswerk des Heidelberger Systematikers vermittelte Tobias Eißler einen Einblick in den Glauben und die Lehre Brunners anhand von dessen Artikel „Die ganze Theologie auf einem Bogen Papier“ aus dem evangelischen Sonntagsblatt für Baden vom 21. Mai 1950. Angeregt durch einen Ausspruch Graf Zinzendorfs, „man müsse die ganze Theologie mit großen Buchstaben auf ein Oktavblatt schreiben können“, ist dieser Artikel ein persönliches Glaubensbekenntnis Peter Brunners und enthält gleichzeitig in nuce den ganzen Horizont seines theologischen Denkens. Tobias Eißler fasst zusammen: „Brunner unterstreicht in dieser Erklärung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses die Notwendigkeit der Lehre von der Erbsünde, vom Sühnopfertod Jesu, von den ‚rettenden Machtmitteln‘ Wortverkündigung, Absolution und Sakrament und dem doppelten Ausgang des Gerichts. Obwohl zunächst an Calvin geschult, kam Brunner während des Kirchenkampfes mehr und mehr zu der Überzeugung, dass die genannten Themen im Sinne Luthers zu verstehen und systematisch darzulegen sind. Dass es sich bei dieser Arbeit um keine Theologie für den Hörsaal, sondern für das Kirchenschiff handelt, stellte Brunner durch seine Tätigkeit als Dorfpfarrer im oberhessischen Ranstadt eindrucksvoll unter Beweis. Sein entschiedener Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die deutsch-christliche Ideologie seit 1932 kostete ihn zunächst die Fortsetzung seiner akademischen Karriere und brachte ihn 1935 ins KZ Dachau. Als sorgfältiger Forscher und gründlicher Lehrer arbeitete Brunner an der Wuppertaler Bekenntnishochschule und später an der Heidelberger Fakultät. Er brillierte und faszinierte nicht, aber er schärfte zukünftigen Pfarrern ein, sich nicht an gängigen Thesen und Meinungen zu orientieren, sondern an dem ‚Wort Gottesals die uns jetzt hier geltende Gottesbotschaft‘.“

Nicht nur durch den bevorstehenden 100. Geburtstag Peter Brunners am 25. April 2000, sondern durch sein engagiertes Pladoyer für eine Rückbesinnung auf die Autorität der Schrift und das evangelische Bekenntnis hat die Beschäftigung mit diesem lutherischen Theologen bleibende Aktualität.

Neben Referaten und angeregten Diskussionen war die Gastfreundschaft von Dr. Cornelia und Prof. Dr. Rainer Riesner in Gomaringen ein schöner Rahmen zum persönlichen Austausch. Dabei hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, über das eigene Dissertationsprojekt zu berichten, über die jeweiligen Fakultäten, aber auch über die Tätigkeit in der Gemeindearbeit.

Beim nächsten AfeT-Doktorandentreffen vom 24.3.–25.3.2000 (Anm. der Red.: Dieser Termin wurde gegegenüber früheren Ankündigungen geändert!) im Albrecht-Bengel-Haus, Tübingen, werden wieder zwei Teilnehmer über einen Bereich ihrer Dissertation referieren. Vorgesehen sind: Claus Schwambach über „Befreiungstheologie in Südamerika“ und Klaus Bensel über die „Melchisedek-Typologie im Hebräerbrief“.


Dr. Sven Grosse bat darum, folgende inhaltliche Corrigenda zu dem Bericht seines Referates beim AfeT-Doktorandentreffen in ETM 5/1 (1999) S.19 aufzunehmen:

  1. die Habilitationsarbeit ist schon länger abgeschlossen. Die Habilitation fand am 12.5.99 statt;
  2. der Paul-Gerhardt-Biograph ist Hermann Petrich, nicht Petri;
  3. nicht: der Theologie der Person, sondern: der Theologie des Theologen Paul Gerhardt;
  4. Arndt betrachtete nicht ausdrücklich die Poesie, aber das Gebet als eine Übung der Frömmigkeit, ohne welche die Theologie tot ist;
  5. Buchner lehrte, dass das Gedicht (nicht ausdrücklich das geistliche Gedicht) gefallen solle usw.;
  6. des Homiletikers, nicht Rhetorikers, Johannes Hülsemann.

aus: Evangelikale Theologie Mitteilungen - ETM 5/2 (1999)
Herausgeber: AfeT - Arbeitskreis für evangelikale Theologie


14.01.2000
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