Theologen unterschiedlicher Prägung vereint um die Bibel: Gründung der Vereinigung französisch-sprachiger evangelikaler Theologen

Philippe Laurent

„Theologie ist keine Reise, die schließlich nicht zu den Ergebnissen führt, die bei Beginn im Blick waren. Im Gegenteil, Theologie untersucht und erforscht die verschlungenen Wege derer, die gestartet sind, um ihnen zur Ausdauer zu helfen“ (J.-Cl. Thienpont).

Voraussetzung zu solcher Ausdauer ist es, sich auf das Wort Gottes zu stützen. Das Thema der Gründungsversammlung der „Association Francophone Européenne de Théologiens Évangéliques“ (AFETE), die am 6. und 7. Sept. 2004 in Nogent-sur-Marne (bei Paris) stattfand, war in diesem Zusammenhang gewählt: „Einheit und Vielfalt im Neuen Testament“. Etwa sechzig Theologen aus Frankreich, der Schweiz, Belgien und sogar Kanada kamen zusammen um sich dieser immer aktuellen Frage zu widmen.

Das Hauptreferat wurde von Prof. Amar Djaballah (Montreal / Kanada) vorgetragen. Sein historischer Überblick der unterschiedlichen Ansätze legte die Grundlage für weitere Erörterungen. Jacques Buchhald (Faculté Libre de Théologie Evangélique, Vaux-sur-Seine) argumentierte mit großem Elan für die Übereinstimmung des Johannesevangeliums mit den synoptischen Evangelien, indem er es versteht als Ergänzung von bereits bekannten Traditionen, wie sie bei den Synoptikern vorliegen. Gordon Campbell (Faculté Libre de Théologie Réformée, Aix-en-Provence) konzentrierte sich in seinen Überlegungen zum Judasbrief auf die Notiz des „Tota Scriptura“, die neben dem „Sola Scripure“ leicht vernachlässigt werde. Mit Verweis auf Ralph Martin zeigte er nach einem Überblick zum Inhalt des Briefes drei Wege des Verständnisses dieses Briefes. Sylvain Romerowski (Institut Biblique de Nogent, bei Paris) referierte zur Pneumatologie von Lukas und Johannes. Danach haben neben breiter grundsätzlicher Übereinstimmung beide Evangelien ihre je spezifische pneumatologische Akzentuierung: die Schaffung eines neuen Volkes (Lukas) bzw. Befähigung zum apostolischen Dienst (Johannes).

Am Abend gab Prof. Henri Blocher, Präsident der Fellowship of European Evangelical Theologians (FEET), einen Überblick zur aktuellen evangelikalen Landschaft in Europa. Die historische und geographische Skizze führte zu einer Aufforderung, die eigenen Überlegungen und christlichen Traditionen besser zu integrieren. Vorher hatten mehrere jüngere Theologen über laufende Forschungsprojekte berichtet.

AFETE : Association Francophone Européenne de Théologiens Évangéliques

Am zweiten Tag wurde die „Association Francophone Européenne de Théologiens Evangéliques“ (AFETE) gegründet mit der Verabschiedung einer Satzung und der Verständigung auf eine Glaubensgrundlage. Die „Association Francophone Européenne de Théologiens Évangéliques“ will anregen zu theologischen Studien und Forschungen durch Kolloquien und Konferenzen. Sie will den Informationsaustausch über theologische Entwicklungen fördern, die theologische Arbeit voranbringen und verbreiten, sowie zur Publikation evangelikaler theologischer Arbeiten ermutigen.

Die 51 Gründungsmitglieder haben gleichberechtigt den ersten Vorstand gewählt. Seine Aufgabe ist es, die nächsten Konferenzen vorzubereiten und die Arbeit der AFETE zu fördern, damit sich französischsprachige evangelikale Theologie in einem Geist des Vertrauens in die Bibel besser entfalten kann. Präsident ist Jacques Buchhold (F), in den Vorstand sind außerdem gewählt: Jean-Claude Boutinon (F), Valérie Duval-Poujol (F), Thierry Juvet (CH), Philippe Laurent (B), Sylvain Romerowski (Vize-Präsident, F), Anne Ruolt (Schriftführung, F), Martin Slabbekoorn (F), Michael Spohrer (Kasse, F), Jean-Claude Thienpont (B), David Valdez (CH), Paul Wells (F).

Paul Wells (Faculté Libre de Théologie Réformée, Aix-en-Provence) schloss das Treffen mit dem Hinweis auf die große Wahrheit: Gott ist der Souverain seines Wortes. Und wie Gott einer ist in trinitarischer Pluralität, so ist es nicht erstaunlich, wenn derselbe Charakter sich im Neuen Testament und in der ganzen Bibel wiederfindet: bereichernde Vielfalt in lebendiger Einheit.

Die Versammlung gab Raum für anregende Gespräche unter Theologen, sich zu begegnen und kennenzulernen. Eine Wiederholung solcher Treffen kann nur förderlich sein für französisch-sprachige Gemeinden und Kirchen in Europa. Die Atmosphäre in den zwei Tagen war brüderlich, trotz der ekklesiogenen Vielfalt der Beteiligten.

 
aus: Evangelikale Theologie Mitteilungen – ETM 10/2 (2004)
Herausgeber: AfeT – Arbeitskreis für evangelikale Theologie
16.03.2005 – http://www.afet.de